Kaffeehauskolumnen

 

  • 15/09/2022 - Thomas Brändle 0 Kommentare
    Kaffeehauskolumne

    Applaus

    Koni Bärtschi ist in seine Lektüre vertieft. Er liest einen Artikel über eine neue Internetplattform, auf der Rezepte besprochen, ausgetauscht und bewertet werden können, als schallendes Geklatsche an sein Ohr dringt. Hinten im Café hat ein älterer Herr eben das Menü 2 serviert bekommen. Das Ganze wiederholt sich, als die Bedienung zuerst das Dessert, eine Rüeblitorte, dann den Milchkaffee und schliesslich die Rechnung an den Tisch des Kunden bringt.

    Bärtschi beobachtet, wie inzwischen fast alle Gäste jeweils den Kopf schütteln und sich dann wieder ihren eigenen Dingen zuwenden.

    „Darf ich fragen, was es mit Ihrem Klatschen auf sich hat?“, erkundigt sich Bärtschi, als der hoch gewachsene Mann mit dem stolzen Gang an ihm vorbei Richtung Ausgang geht.

    „Na, wenn etwas gelungen ist, applaudiert man doch normalerweise?“, hält er entgegen.

    „Schon, aber hier im Café ist das doch etwas ungewöhnlich.“

    „Was denken Sie, wie ich mich jeweils gefühlt habe? Als wäre es reiner Zufall, wenn ich meine Swissair-Maschine in einem Stück auf die Landebahn aufgesetzt hatte. Als wäre ich ein Anfänger.“

    „Verstehe“, entgegnet Bärtschi.

    „Und seit ich pensioniert bin, mache ich das eben auch, zu meinem ganz persönlichen Vergnügen.“

     

    http://www.thomas-braendle.ch/buecher/index.html

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  • 30/06/2022 0 Kommentare
    Abgehoben

    In der westaustralischen Stadt Perth findet sich wie in jeder gut sortierten Fussgängerzone eine Nespresso-Boutique. Das Schaufenster wirkt von Weitem wie das eines Juweliergeschäfts. Drinnen dominiert das „Gemälde“ aus bunten Kaffeekapseln eines hippen Aborigine-Künstlers die edel ausstaffierten Kundenräume. Hinter den „Kundenschaltern“ strahlen „Hostessen“ in airlinemässigen Uniformen um die Wette und über die Flachbildschirme flirtet George Clooney in italienischen  Schwarzweiss-Clips mit den Kundinnen. Nebst den adrett aufgereihten Kapselschachteln in allerlei Farben gibt es auch ein Gestell mit schicken Kaffeemaschinen.

    „Entschuldigung“, fragt Bärtschi eine der Hostessen, „was ist denn da in dem Koffer drin?“

    „Das ist unsere Neueste. Eine Reisekaffeemaschine.“

    „Aha. Und wozu brauche ich die?“

    „Unsere anspruchsvolle Kundschaft legt Wert darauf, in jeder Lebenslage mit dem passenden Kaffee versorgt zu sein. Im Wohnmobil, auf der Motelterrasse, im Outback, beim Picknick, am Strand ...“

    „Im Flugzeug?“, unterbricht Bärtschi die humorfreie Verkäuferin.

    „Natürlich, auch da. Hier haben wir das Modell Rollkofferairpresso, beim Starten und Landen einfach in den Flugmodus umschalten, damit wir den Piloten nicht verärgern“, erklärt sie ernsthaft, bevor sie doch noch kurz kichert.

     

    www.thomas-braendle.ch

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  • 30/06/2022 0 Kommentare
    Wer ist Koni Bärtschi?

    Meistens steht er unscheinbar vor dem Ladenkorpus, sieht sich ausgiebig die zum Kauf angebotenen Produkte an - so wie sich der Kunstkenner im Museum die Bilder und Skulpturen - oder sitzt unauffällig ganz hinten im Café, geniesst einen Eisbecher, freut sich an einem Stück Torte, trinkt eine hausgemachte, heisse Schokolade oder was sich sonst noch gerade so anbietet, liest konzentriert in der Zeitung, beobachtet zwischendurch die Gäste, Kunden, die Mitarbeitenden oder das Geschäftsehepaar - und macht Notizen. Koni Bärtschi vertreibt sich die Zeit in gemütlichen Cafés, Konditoreien, Bäckereien und Confiserien. Das macht er aus beruflichen Gründen, oder besser, aus berufenem Grunde. Der gelernte Bäcker-Konditor-Confiseur hat sein früheres Hobby zum Beruf gemacht. Er schreibt über das, was seine Berufskolleginnen und -kollegen so alles auf die Beine stellen. Koni Bärtschi ist ein Gastrokritiker für seine Branche. Nein, er ist DER Kritiker für seine Branche. Jede Woche erlebt er Interessantes, Aufschlussreiches, Neuartiges und vor allem Komisches. Keine Patisserie, kein Nussgipfel, keine Brotkreation, keine Verkaufsszene, kein Stammtischgespräch, keine hübsche Verkäuferin, kein amüsantes Intermezzo, über das sich nicht zu schreiben lohnt. Das ist Koni Bärtschi. Manche sagen, er ist das Alter Ego seines Schöpfers Thomas Brändle.

    Die über 300 Kolumnen erschienen von 2008 bis 2015 wöchentlich im Panissimo, dem offiziellen Publikationsorgan des Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verbandes.

     

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  • 30/12/2019 - Thomas Brändle 0 Kommentare
    2020

    Liebe Lesende


    Willkommen auf unserer neuen Website! Warum hat unsere Website einen Blog? Nun, als ich vor drei Jahren überraschend das Cafe Brändle (wieder) übernommen habe (nach zwölf Jahren Abwesenheit), war ich mitten in den Vorbereitungen für mein neues Buch. Seither habe ich dafür keine Zeit mehr - zum Bücher schreiben. So werde ich nun regelmässig in diesem Blog publizieren. Worüber ich schreiben werde? Wonach mir gerade ist! Jedenfalls freue ich mich, wenn Sie gelegentlich reinschauen und vielleicht den einen oder anderen Kommentar hinterlassen. Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr nur das Beste; Gesundheit, viel Zeit für Schönes - und immer was zum Lachen.

    www.thomas-braendle.ch 

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