Kaffeehauskolumnen

 

  • 11/10/2021 0 Kommentare
    Der Apotheker

    Cafés sind für viele Menschen eine Art erweitertes Wohnzimmer, wo man sich wohl, oft sogar wie zuhause fühlt und sich etwas Gutes tut, ins Gespräch kommt. Damit man unser erweitertes Wohnzimmer betreten darf, benötigt man neuerdings ein Zertifikat, welches attestiert, dass man geschlumpft ist, genossen hat oder getoastet ist – oder so ähnlich (die Begriffe der Experten wechseln stündlich). Menschen, die «nur» gesund sind, müssen wie langhaarige Hunde vor der Tür bleiben. Das erinnert unweigerlich an Molieres berühmtes Theaterstück «Der eingebildete Kranke». Jede und jeder gilt ab sofort als grundsätzlich krank. Ein fabelhaftes Geschäft für die Pharmakonzerne, Apotheker, Ärzte und Psychiater für Angstneurosen. Ebenso scheinen andere Krankheiten verschwunden zu sein. Es existiert nur noch dieser eine Kult um das Krönchenvirus. Menschen mit beispielsweise Krebs oder anderen schweren Krankheiten sind quasi Kranke zweiter Klasse geworden, mit knappem Vorsprung auf die nichtzertifizierten Gesunden. Wer diesen Panikzirkus auch nur ein wenig in Zweifel zieht, der wird sogleich vom Amboss der empörten Moral erschlagen. Die Moralisten sitzen auf einem dermassen hohen Ross, dass es sich eigentlich schon eher um eine Giraffe handeln muss. Möchte man irgendwann doch davon absteigen, besteht aber die Gefahr, dass man sich dabei das Genick bricht. Dann lässt man es also besser bleiben und zeigt weiterhin mit dem Finger auf jene Fatalisten, die alles und jeden in ihr Wohnzimmer lassen, so wie ich, Francesco Holenstein. Dass die fragwürdigen, weltweiten Massnahmen Dutzende Millionen Kinder zusätzlich mit dem Hungertod bedrohen, steht im Katalog der Moralisten unter ferner liefen – wenn überhaupt.

    Sehr viele finden es grossartig, dass ich mich diesem Apartheidregime verweigere, selbst einige Polizisten, die so gar keinen Bock auf diese schräge neue Gesundheitsaposteldoktrin haben. Selbstverständlich habe ich auch einige kritische Mails bekommen. Manche waren richtig frech. Aber das mit Abstand Bösartigste kam ausgerechnet von einem Apotheker, einem unbestrittenen Profiteur dieser unheiligen Entwicklung. Ich war platt. Nachdem die Gastronomie ohne wissenschaftlich-medizinische Evidenz über bald zwei Jahre hinweg grösste Opfer gebracht hatte, sollte sie mit der Zertifikatskontrolle nun auch noch gezwungen werden, auf die Hälfte ihrer Kundschaft zu verzichten. Während der Öffentliche Verkehr, der private Verkehr im Rotlichtgewerbe und auch die überrannten Apotheken aus unerfindlichen Gründen von solcher Massnahme verschont blieben und sich letztere sogar eine goldene Nase verdienten, spielte sich nun also ironischerweise ein Apotheker als moralischer Heuchler … moralische Instanz auf. Nein, so etwas kann man sich nicht ausdenken. Jener Apotheker hat eine Glatze: Genauso wie der moralisch motivierte Krankheitsminister mit parlamentarisch anerkannter Herdenimmunität, die ihn berse auch bei seinen promiskuitiven Freizeitbeschäftigungen schützt. Gibt es da etwa ein Muster? Im Roman des Holocaustüberlebenden und Erfolgsschriftstellers Ephraim Kishon «Mein Kamm» sind die Glatzköpfigen für das ganze Unheil, das übers Land gekommen ist, verantwortlich. In diesem satirischen Werk beschreibt Kishon, wie sich aus einem reißerischen Zeitungsartikel eine nationale Bewegung zur Vernichtung aller Glatzköpfe entwickelt. Fazit: Glatzköpfige müssen draussen bleiben! Oder ihre Haarpracht beweisen!

    http://www.thomas-braendle.ch/buecher/index.html

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  • 03/03/2020 - Thomas Brändle 0 Kommentare
    Kaffeehauskolumne

    Das Zertifikat

    Mein Name ist Francesco Holenstein. Ich bin Bäcker-Konditor-Confiseur und führe zusammen mit meiner ungarischen Frau Anniko ein kleines Café mit Bäckerei und Konditorei in der Zentralschweiz. Cafés sind für viele Menschen eine Art erweitertes Wohnzimmer, wo man sich wohl, oft sogar wie zuhause fühlt und sich etwas Gutes tut. Wir sind gerne Gastgeber. Viele Gäste kommen so oft zu uns, dass sie eigentlich zusätzlich Miete zahlen sollten.

    Das hat sich aber seit einigen Tagen drastisch geändert. Neuerdings muss man seine Gesundheit beweisen, um sich in unser Café setzen zu dürfen. Das kann man mit einem Zertifikat, das alle zwei Tage erneuert werden muss. Das ist so schräg, dass man das gar nicht erfinden kann. Meine Frau Anniko und ich finden das jedenfalls sehr seltsam und verzichten deswegen darauf. Trotzdem bleiben viel Gäste nun weg. Manche fürchten sich vor einer seit gefühlt 10 Jahren kursierenden Krankheit, anderen fehlt das Verständnis für unsere Verständnislosigkeit und wiederum andere fürchten sich vor den kontrollierenden Behörden, meist Polizisten.

    Ich sass gerade mit unserem vierjährigen Florian am Tisch, als bereits zum zweiten Mal innert weniger Tage drei Polizisten unser Café heimsuchten - ohne etwas zu konsumieren. Das erste Mal waren es noch zwei. Was kommt als nächstes? Tigris in Begleitung des Ferndiagnosegefälligkeitsgutachtenpsychiaters des eidgenössischen Krankheitsministers? Ein Mann, der seinen Landsleuten Abstand verordnet, selber aber sogar beim ausserehelichen Verkehr entschieden auf Plexiglas verzichtet. Florian jedenfalls freute sich, gleich drei leibhaftige Polizisten in Unform so nah zu sehen. Dass er mich sofort verhaften lassen wollte, weil ich ihm ein Eis vor dem Mittagessen verweigerte, war da natürlich unvermeidlich.

    Das martialische Auftreten von nun bereits drei Uniformierten ängstigte mich dann doch ein wenig. Gab es in unserem Haus etwa eine Geiselnahme oder eine Bombendrohung von der ich noch nichts wusste? Der eine Polizist steuerte unvermittelt auf die ältere Dame– zu jenem Zeitpunkt der einzige Gast – im hinteren Bereich des Cafés zu. Tatsächlich war mir die überdimensionierte Handtasche sofort aufgefallen. Eine tickende Zeitbombe? Eine geladene Kalaschnikow? Heutzutage müssen viele Rentner knapp durch und bessern sich mit der einen oder anderen Aktivität ihren Lebensunterhalt auf.

    «Haben Sie ein Zertifikat?», fragte er die Dame unverhohlen und ohne sie zu begrüssen oder sich vorzustellen. Das könnte die Dame provozieren, dachte ich, denn immerhin trug der Fragende nebst einer Waffe auch noch eine Maske. Ich duckte mich zusammen mit meinem Sohn instinktiv unter den Tisch. Als nichts passierte, kamen wir nach fünf Minuten wieder hoch. Die Dame hatte offenbar ein Zertifikat. Glück gehabt!

    Ich hoffe nicht, dass mein Sohn nun immer noch von der Tätigkeit eines Polizisten so beeindruckt ist, dass er diesen Beruf ernsthaft ins Auge fassen möchte. Alte Frauen einschüchtern und zu dritt in leergefegten Kaffeehäusern rumlungern ist nun wirklich keine erbauliche Tätigkeit, die dem Leben Sinn gibt.

     

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  • 30/12/2019 - Thomas Brändle 0 Kommentare
    2020

    Liebe Lesende


    Willkommen auf unserer neuen Website! Warum hat unsere Website einen Blog? Nun, als ich vor drei Jahren überraschend das Cafe Brändle (wieder) übernommen habe (nach zwölf Jahren Abwesenheit), war ich mitten in den Vorbereitungen für mein neues Buch. Seither habe ich dafür keine Zeit mehr - zum Bücher schreiben. So werde ich nun regelmässig in diesem Blog publizieren. Worüber ich schreiben werde? Wonach mir gerade ist! Jedenfalls freue ich mich, wenn Sie gelegentlich reinschauen und vielleicht den einen oder anderen Kommentar hinterlassen. Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr nur das Beste; Gesundheit, viel Zeit für Schönes - und immer was zum Lachen.

    www.thomas-braendle.ch 

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  • 11/10/2021 0 Kommentare
    Der Apotheker

    Cafés sind für viele Menschen eine Art erweitertes Wohnzimmer, wo man sich wohl, oft sogar wie zuhause fühlt und sich etwas Gutes tut, ins Gespräch kommt. Damit man unser erweitertes Wohnzimmer betreten darf, benötigt man neuerdings ein Zertifikat, welches attestiert, dass man geschlumpft ist, genossen hat oder getoastet ist – oder so ähnlich (die Begriffe der Experten wechseln stündlich). Menschen, die «nur» gesund sind, müssen wie langhaarige Hunde vor der Tür bleiben. Das erinnert unweigerlich an Molieres berühmtes Theaterstück «Der eingebildete Kranke». Jede und jeder gilt ab sofort als grundsätzlich krank. Ein fabelhaftes Geschäft für die Pharmakonzerne, Apotheker, Ärzte und Psychiater für Angstneurosen. Ebenso scheinen andere Krankheiten verschwunden zu sein. Es existiert nur noch dieser eine Kult um das Krönchenvirus. Menschen mit beispielsweise Krebs oder anderen schweren Krankheiten sind quasi Kranke zweiter Klasse geworden, mit knappem Vorsprung auf die nichtzertifizierten Gesunden. Wer diesen Panikzirkus auch nur ein wenig in Zweifel zieht, der wird sogleich vom Amboss der empörten Moral erschlagen. Die Moralisten sitzen auf einem dermassen hohen Ross, dass es sich eigentlich schon eher um eine Giraffe handeln muss. Möchte man irgendwann doch davon absteigen, besteht aber die Gefahr, dass man sich dabei das Genick bricht. Dann lässt man es also besser bleiben und zeigt weiterhin mit dem Finger auf jene Fatalisten, die alles und jeden in ihr Wohnzimmer lassen, so wie ich, Francesco Holenstein. Dass die fragwürdigen, weltweiten Massnahmen Dutzende Millionen Kinder zusätzlich mit dem Hungertod bedrohen, steht im Katalog der Moralisten unter ferner liefen – wenn überhaupt.

    Sehr viele finden es grossartig, dass ich mich diesem Apartheidregime verweigere, selbst einige Polizisten, die so gar keinen Bock auf diese schräge neue Gesundheitsaposteldoktrin haben. Selbstverständlich habe ich auch einige kritische Mails bekommen. Manche waren richtig frech. Aber das mit Abstand Bösartigste kam ausgerechnet von einem Apotheker, einem unbestrittenen Profiteur dieser unheiligen Entwicklung. Ich war platt. Nachdem die Gastronomie ohne wissenschaftlich-medizinische Evidenz über bald zwei Jahre hinweg grösste Opfer gebracht hatte, sollte sie mit der Zertifikatskontrolle nun auch noch gezwungen werden, auf die Hälfte ihrer Kundschaft zu verzichten. Während der Öffentliche Verkehr, der private Verkehr im Rotlichtgewerbe und auch die überrannten Apotheken aus unerfindlichen Gründen von solcher Massnahme verschont blieben und sich letztere sogar eine goldene Nase verdienten, spielte sich nun also ironischerweise ein Apotheker als moralischer Heuchler … moralische Instanz auf. Nein, so etwas kann man sich nicht ausdenken. Jener Apotheker hat eine Glatze: Genauso wie der moralisch motivierte Krankheitsminister mit parlamentarisch anerkannter Herdenimmunität, die ihn berse auch bei seinen promiskuitiven Freizeitbeschäftigungen schützt. Gibt es da etwa ein Muster? Im Roman des Holocaustüberlebenden und Erfolgsschriftstellers Ephraim Kishon «Mein Kamm» sind die Glatzköpfigen für das ganze Unheil, das übers Land gekommen ist, verantwortlich. In diesem satirischen Werk beschreibt Kishon, wie sich aus einem reißerischen Zeitungsartikel eine nationale Bewegung zur Vernichtung aller Glatzköpfe entwickelt. Fazit: Glatzköpfige müssen draussen bleiben! Oder ihre Haarpracht beweisen!

    http://www.thomas-braendle.ch/buecher/index.html

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